Wortakzente

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Jannis Riebschläger: Sud. Eine Abenteuerreise nach Süden

Posted by Wortakzente/Kinderohren - 22. Februar 2015

In den Ferien möchte Jannis die Freunde besuchen, die er beim Schüleraustausch kennengelernt hat. Für 6 Wochen hat er 500 Euro zur Verfügung. Sein Plan: Zunächst möchte er mit Freundin Wibke von Leverkusen bis zu den Alpen trampen und diese auf dem Fernwanderweg E5 überqueren. In Meran will sich Wibke von ihm trennen, allein möchte er dann nach Bari weitertrampen, einige Zeit bei seinen Freunden verbringen und wieder nach Hause fliegen.

Das Trampen in Deutschland klappt ziemlich gut, sodass die beiden schnell mit ihrer Alpenüberquerung beginnen können. Doch laufen sie erst nachmittags los, sodass sie erst nachts in der Hütte ankommen, nicht mehr in die Gruppenunterkunft kommen, sondern in einem Doppelzimmer untergebracht werden, was ein empfindliches Loch in die Reisekasse reißt. Ähnliche Fehler passieren ihnen immer wieder, sodass sie manchmal wenig zu Essen haben oder zu wenig Zeit für ihre Strecke. Trotz aller Widrigkeiten – das Wetter ist oft schlecht – hat Jannis immer einen offenen Blick für die Schönheiten der Natur und die Menschen, mit denen er zusammentrifft. In Deutschland und Italien übernachtet er als Couchsurfer oder bei Menschen, die ihn bzw. die beiden einfach so aufnehmen. Er lernt viele großzügige Menschen kennen und ist begeistert über die Mentalität der Italiener.

Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn ich manchmal den Kopf darüber geschüttelt habe, wie naiv die beiden zu Werke gegangen sind. Wenn ich mir vorgestellt habe, dass das mein Sohn wäre … Aber letztlich sind die beiden mit allen Herausforderungen gut fertig geworden, haben Lösungen für ihre Probleme gefunden, haben Landschaften und Menschen auf eine ganz besondere Weise kennengelernt. Die Lektüre war abwechslungsreicher, als ich erwartet hatte, weil der Autor sich viele durchaus tiefgehende Gedanken über die Menschen und seine Umgebung macht. Erlebnisse mit Tieren, Gletscherspalten, Hüttenwirten, den vielen Autofahrern und Gastgebern und einem Dieb bringen zusätzlich Spannung hinein. Interessant fand ich, dass kein einziges Mal über schmerzende Füße oder Blasen gejammert wurde.

Das Buch zeigt, dass man auch ohne viel Geld einiges erleben und einen tollen Urlaub machen kann, dass man aber bereits sein muss, sich auf andere Menschen mit ihren Eigenarten einzulassen und auch einmal um etwas zu bitten. Für alle Jugendlichen, die überlegen, einmal auf ähnliche Weise loszuziehen, ist es sicherlich sehr inspirierend.

Cover_Riebschläger_Sud

Jannis Riebschläger: Sud. Eine Abenteuerreise nach Süden. Kindle Edition 2015. Ca. 109 Seiten, Euro 9,99, ASIN B00T5FP61E.

Zum Blog des Autors – bei Amazon

Ich danke dem Autor für das Rezensionsexemplar.

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Sandra McKee: Hundert Leben auf Papier

Posted by Wortakzente/Kinderohren - 17. Februar 2015

Henry Stone (wenn er denn wirklich so heißen sollte) ist Agent. Aber nicht so ein Klischee-Agent wie James Bond und ganz bestimmt nicht vom FBI. Er ist Veganer und passt auch sonst nicht in die Vorstellung, die man sich von Agenten allgemein macht. Und doch ist er ein knallharter Typ, der möglichst wenig Emotionen an sich heranlässt. Doch dann wird in Venedig der Mann ermordet, den er beschatten soll. Aus einem ihm nicht nachvollziehbaren Grund scheint die Organisation der Meinung zu sein, dass er in die Angelegenheit verwickelt ist. Auf der Suche nach Hinweisen zu den Hintergründen stößt er auf die junge amerikanische Journalistin Olivia Jones, die offensichtlich auch ins Fadenkreuz geraten ist. Statt sie einfach loszuwerden, nimmt er sie mit. Zunächst, um weitere Informationen aus ihr herauszubekommen. Später entwickelt er tatsächlich Gefühle für sie. Doch für so etwas ist keine Zeit, beider Leben ist in Gefahr …

Ich war überrascht von diesem sehr ungewöhnlichen Agentenroman. Eigentlich ist es mehr ein Psychogram von Henry Stone. Ein ungewöhnlicher Mann, den der Leser nach und nach sehr genau kennenlernt. Sicher, die Handlung ist sehr spannend und sie hat auch alle Elemente, die solch ein Buch braucht: Gefahr, Fluchten, Verfolgungsjagden, etliche Todesfälle, Brutalität und Gewalt, aber vor allem einen Fall, der geklärt werden muss. Wer ist wirklich unschuldig? Wirkt Olivia nur so brav, oder ist sie ins Geschehen verstrickt? Wer sind die Hintermänner? Dies muss Henry aufklären, um seine Position in seinem Geheimdienst zu retten oder sogar sein Leben. Und doch kann er es sich nicht verkneifen, immer wieder gegen die Regeln zu verstoßen. Ein faszinierender Mann! Die Geschichte wird aus vier verschiedenen Blickwinkeln erzählt, vor allem von Henry Stone und Olivia Jones. Doch auch Henrys Freund Victor und am Ende sein Chef bringen ihre Sicht der Dinge ein. Dies macht den Roman noch facettenreicher und ermöglicht es, dass der Leser Dinge erfährt, die Henry nicht weiß oder nicht erzählen würde. Die Charaktere, insbesondere Henry, sind gut herausgearbeitet, die Handlung ist durch verschiedene überraschende Wendungen meist nicht vorhersehbar, das Ende war vollkommen unerwartet für mich.

Wer einen intelligenten, fesselnden, ungewöhnlichen und gut geschriebenen Spionageroman lesen möchte, aber vor brutalen Szenen nicht zurückschreckt, kann mit diesem Buch nichts verkehrt machen.

Cover_McKee_HundertLeben

Sandra McKee: Hundert Leben auf Papier. telescope 2014. 200 Seiten, Euro 11,99, ISBN 978-3-941139-29-9.

Zur Verlagsseite – bei Amazon – und beim nächsten Buchhändler

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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