Meine kleine Vogelkunde. Ein Buch zum Beobachten, Entdecken und Notieren

Vogelbeobachtungen daheim und unterwegs

Seit einigen Jahren habe ich Spaß daran gefunden, Vögel zu beobachten. Mein Büro ist im Keller mit großen Fenstertüren zum Garten, sodass ich vom Schreibtisch aus einen guten Blick auf das Geschehen im Garten habe. Ich füttere viel, was dazu führte, dass mehr und mehr Arten im Garten auftauchten. Manche Vögel kannte ich nicht, dann habe ich angefangen zu googeln oder machte ein Foto und bat meine Freunde bei Facebook um Hilfe.

Deswegen war ich sofort angetan von der Idee, Meine kleine Vogelkunde zu rezensieren.

Auf 109 Seiten werden in dem Buch 23 Vögel jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt: Star, Eichelhäher, Amsel, Schwanzmeise, Zaunkönig, Kohlmeise, Heckenbraunelle, Mönchgrasmücke, Elster, Dohle, Gartenbaumläufer, Zaunkönig, Spatz, Rotdrossel, Kleiber, Feldsperling, Zilpzalp, Ringeltaube, Grünfink, Krähe, Türkentaube, Fischreiher, Singdrossel.

Auf der einen Seite ist eine Zeichnung des jeweiligen Vogels abgebildet. Teilweise auf derselben, teilweise auf der gegenüberliegenden Seite folgt ein kurzer Text, sonst bleibt die Seite frei, um Beobachtungen darauf einzutragen (unten klein in separaten Zeilen: Gedanken, Datum, Besonderheiten oder Beobachtungsort, Datum, Besonderheiten).

BLAUMEISE

Die Blaumeise ist eine Nummer kleiner als die Kohlmeise und erscheint insgesamt jünger, unschuldiger und niedlicher. Die Blaumeise trägt einen schwarzen Strich über den Augen, um unverwechselbar zu sein. Als ob sie das nötig hätte.

Zwischendurch gibt es viel Platz für Notizen (BEOBACHTEN – DENKEN – SCHREIBEN), aber auch eine kleine Zeichenlehre für Vögel und eine für Federn. Außerdem gibt es einen Text über Starenschwärme. Einige Vogelstimmen werden jeweils auf der linken Seite vorgestellt, auf der ganzen rechten Seite findet man Notenlinien, auf denen man selber Noten/Vogellieder notieren kann. 

Beobachten, notieren, zeichnen, Lieder aufschreiben

Es gibt leider kein Inhaltsverzeichnis. Die Reihenfolge scheint völlig willkürlich zu sein. Es wäre sinnvoll gewesen, wie bei Blau- und Kohlmeise, auch Spatz und Feldsperling, Ringel- und Türkentaube oder die Rabenvögel hintereinanderzustellen, damit man sie vergleichen kann.

Manche Zeichnungen sind wundervoll naturgetreu und begeistern mich sehr. Andere sind schwarz-weiß, einige wirken eher wie Skizzen. Dann ist zum Beispiel beim Star zwar die Zeichnung gut zu erkennen, aber das schwarze Teil des Gefieders ist weiß dargestellt. Die Amsel sieht aus, als wäre ihr Federkleid in verschiedenen Grautönen, die Flügel weiß. Dass das Männchen schwarz, das Weibchen braun ist, bleibt ein Geheimnis. Auch Schnabelfarben sind bei den schwarz-weißen Bildern nicht zu erkennen. Das ist sehr schade. Wären alle Zeichnungen so fein ausgearbeitet wie beispielsweise beim Eichelhäher, wäre die Darstellung perfekt.

Die Texte sind interessant, teilweise einhalten sie nette Details über den Vogel. Ich vermisse jedoch einige grundlegende Informationen, zum Beispiel die Größe. Hier hat man nur die Bilder zur Orientierung, was einem aber nicht wirklich weiterhilft. Der Kopf der Elster nimmt die ganze Seite ein, was den Eindruck erweckt, dass sie größer ist, die Dohle ist jedoch genauso groß dargestellt wie Spatz, Meise oder Rotkehlchen. Wie soll man so einen Vogel bestimmen? Ich hätte mir insgesamt mehr Informationen gewünscht. Ist der vorgestellte Vogel ein Zugvogel oder nicht? Was frisst er? Was ist sein Lebensraum? Hat er auch weitere Namen? Taucht er eher allein oder in Gruppen auf? Mir ist der lateinische Name nicht so wichtig, andere Leser würde er vielleicht interessieren. Auf jeden Fall hätten geläufige weitere Namen genannt werden sollen. So fehlt mir beim Spatz der Verweis darauf, dass er auch Haussperling genannt wird, beim Stieglitz der Hinweis auf den Namen Distelfink.

Die sparsamen Informationen sind auch deshalb schade, weil der Platz durchaus vorhanden ist. Sehr viele Seiten dienen für Zeichnungen und Notizen oder zum Notieren von Noten. Wie viele Menschen sind in der Lage, Vogelgesang in Noten umzusetzen? Okay, vielleicht sind es mehr als ich denke, ich sollte nicht von mir auf andere schließen. Ich hätte es hilfreicher gefunden, die Vogelstimme bei der Beschreibung jedes Vogel zu ergänzen, sodass man nicht nur einige kennenlernt, sondern alle, und dann vielleicht zwei Seiten mit Notenlinien für eigene Notizen.

Man merkt, dass ich nicht wirklich glücklich mit dem Buch bin. Ich hatte mir eine Bestimmungshilfe und Informationen über die Vögel erhofft, die ich nicht bekommen habe. Die kleinen Malkurse finde ich sehr hübsch und auch die Möglichkeit, Noten zu notieren, auch wenn ich selber nicht annäherungsweise dazu in der Lage bin. Mir gefällt auch, dass Platz für das Aufschreiben von Beobachtungen, zum Zeichnen oder zum Einkleben von Federn zur Verfügung steht, allerdings stehen für meinen Geschmack zu viele Notizseiten zu wenig Gehalt gegenüber.

Möglicherweise hatte ich einfach falsche Erwartungen, aber das ist kein Wunder. Steht doch auf der Verlagsseite:

»Meine kleine Vogelkunde« ist die perfekte Einstiegshilfe für jeden, der mehr über unsere tschirpenden Begleiter erfahren und tief in die wundersame Welt der Vögel eintauchen will. Von bekannten Exemplaren wie dem Rotkehlchen bis hin zu eher unbekannten Genossen wie der Heckenbraunelle bietet das kleine Büchlein einen umfassenden Überblick über die europäische Vogelpopulation. (Link)

Und das, tut mir leid, stimmt überhaupt nicht. 23 Vögel sind kein umfassender Überblick über die europäische Vogelpopulation. Es handelt sich überwiegend um Vögel, die man häufig im (mitteleuropäischen?) Garten sieht. Aber es wird beispielsweise kein einziger Specht vorgestellt, Buntspechte kann ich regelmäßig in meinem Garten beobachten. Greifvögel vom Bussard bis zum Milan, die man häufig sehen kann, fehlen ebenso wie die Schwalben, die ich so sehr liebe. Beim schnellen Googeln habe ich herausgefunden, dass in Deutschland 230 Vogelarten brüten … Dazu bräuchte es einen dicken Wälzer. Den habe ich gar nicht erwartet, ich wusste ja, dass es nur ein Büchlein ist. Aber mehr Informationen und mehr Möglichkeiten, die Vögel zu bestimmen.

Ich denke, dass dieses Buch eher für Leute geeignet ist, die sich kreativ mit Vögeln beschäftigen wollen, die aber keine tiefgehenden Informationen über die Vögel brauchen und sie auch schon kennen.

Fazit: Kreatives Beschäftigungsbuch rund um Vögel, das allerdings nicht als Bestimmungsbuch oder zum Nachschlagen geeignet ist.

 

Gerard Janssen, Maaartje van den Noort: Meine kleine Vogelkunde. Ein Buch zum Beobachten, Entdecken und Notieren. Aus dem Niederländischen von Julia Wöhrle. Eden Books 2018. 112 Seiten, Euro 9,95, ISBN 978-3-95910-134-9.

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Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Ein Gedanke zu “Meine kleine Vogelkunde. Ein Buch zum Beobachten, Entdecken und Notieren

  1. Ich sehe ein deutliches Problem, das wir bei Belletristik wie bei Sachbüchern haben: viele, viele Bücher sind übersetzt, meist aus dem angelsächsischen Sprachraum. Die können sehr bereichern, einem neue Sichtweisen näher bringen, stellen alles aber ganz selbstverständlich aus deren Sicht dar, d.h. in diesem Fall, die in Holland häufigen Vögel mögen noch am Niederlauf des Rheins ähnlich häufig sein, aber sicher nicht am Alpenrand – wir haben zum Teil erheblich zu wenig aussagekräftige Bücher, die die Verhältnisse bei uns beachten! Und schon fehlen hier mal die Spechte… das wär bei einem Buch von Henry Miller nicht passiert. Zu guter Letzt kommen doch immer wieder die typischen Bestimmungsbücher, welcher Baum, welcher Fisch, welcher Vogel ist das oder eben dann gleich: Die Brutvögel Europas. Steht bei mir im Schrank und, Zufall, wir haben erst heute mal wieder die Spechte durchgesehen wegen der frevelhaften Aussage Angehöriger: dort unten im ..-wald habe ich Mittelspecht gesehen! Ich mußte lachen, denn auf Entfernung die bunten Spechte voneinander unterscheiden zu wollen ist doch ein bißchen viel: war’s denn sicher nicht der große Buntspecht? Für einen Dreizehenspecht zu viel rot? Ja, es gibt schon verflixt viele Vögelchen. Bei mir im Garten aber wie bei so vielen (der Buntspecht war übrigens mitsamt dem Kleiber Anfang Winter da) wird die Artenvielfalt immer kleiner: früher hatten wir diverse Finken und gelegentlich eine Haubenmeise, inzwischen fast nur Spatzen (Haus-), Amseln, Kohl- und Blaumeisen. Schade um die anderen, aber die moderne Landwirtschaft muß ja weiter expandieren damit wir unsere Hühnchen nach Afrika verkaufen können. Sind ja auch Vögel, wenn auch keine glücklichen.

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