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Gavin Extence: Das unerhörte Leben des Alex Woods

Geschrieben von Wortakzente/Kinderohren - 13. April 2014

Alex wird von der Polizei aufgegriffen, als er in Dover wieder nach Großbritannien einreisen möchte. Im Auto hat er nicht nur eine große Menge Marihuana, sondern auch eine Urne mit Asche. Er versucht zu erklären, was zu den Ereignissen führte, wegen denen er landesweit polizeilich gesucht wird, aber die Polizisten hören nicht richtig zu. Sie haben sich alles schon zurechtgelegt, wie es in ihr Bild passt.

Also fängt Alex an, dem Leser sein Leben zu erklären. Er beginnt an dem Zeitpunkt, an dem ein Meteorit durch das Dach ihres Hauses flog und ihn lebensgefährlich am Kopf verletzte. Der Zehnjährige kommt knapp durch, ist aufgrund der Medienberichte nun landesweit bekannt und muss damit leben, dass andere Menschen, besonders aber Kinder, ihn für einen Sonderling halten. Schließlich hat er in der Folge schwere epileptische Anfälle, muss eine Weile zu Hause unterrichtet werden, beginnt sich für Wissenschaft zu interessieren und ist einfach auf vielerlei Weise anders als seine Altersgenossen. Die Schule ist für ihn ein Horror, er wird gemobbt und muss erst einen Weg finden, sich zu behaupten. Schließlich gewinnt er in dem zunächst sehr abweisenden Mr. Petersen nach und nach einen Freund, mit dem er über das Leben und über Bücher pholosophieren kann. Als Mr. Petersen erkrankt gibt Alex ihm ein sehr schwerwiegendes Versprechen, das beide zusammenschweißt, Alex aber auch mit dem Gesetz in Konflikt bringt.

Ich bin absolut begeistert von diesem Buch. Alex hat ein sehr ungewöhnliches Leben und einiges zu erzählen. Außerdem ist er sehr wissbegierig, was er lernt, teilt er mit dem Leser. So erfährt man beispielsweise ganz nebenbei einiges über Meteore und Meteoriten. Alex muss einiges aushalten: Epilepsie, Mobbing, seine Mutter hat den Ruf, eine Hexe zu sein, keine Freunde. Obwohl man verstehen könnte, wenn er verzweifelte, kämpft er sich immer wieder durch. Wie er das schafft, wird mit viel Humor und Lockerheit geschildert. Die Lektüre hat mich mal zum Lachen gebracht, mal wütend gemacht oder traurig, aber niemals kaltgelassen. Manche Schilderungen verwirren zunächst etwas, aber schließlich greift alles ineinander und passt. Definitiv ist es keins dieser Bücher, die man nach dem Lesen einfach wieder aus der Hand legen kann. Es hat mich berührt und schon wieder zum Nachdenken über das Thema gebracht, auf das mich schon Ein ganzes halbes Jahr vor Kurzem gestoßen hat. Ich will hier nicht zu viel verraten, finde es aber schon erstaunlich, dass ich innerhalb eines Monats gleich zwei Romane lesen, die sich mit dem gleichen sehr wichtigen und schwierigen Thema befassen, ohne dass ich es vorher gewusst oder geplant hätte.

Das unerhörte Leben des Alex Woods ist eines dieser Bücher, die einen Sog auf mich ausgeübt haben. Sobald ich erst einmal richtig drin war, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht und habe jede Minute zum Lesen genutzt. Mir gefiel der Stil und ich fand es interessant, welche Wendungen Alex’ Denken nimmt. Oft hat er mit leid getan, vor allem, wenn er gemobbt wurde, aber auch, wenn seine Mutter ihm einfach nicht richtig zuhörte. Was mir weniger gefallen hat, waren die langen Passagen über die Science-Fiction-Bücher, die ich nicht kenne und daher nicht immer richtig nachvollziehen konnte. Insgesamt aber eine absolute Leseempfehlung von mir!

Dies ist wieder eine Rezension für Blogg dein Buch.

Cover_Extece_AlexWoods

Gavin Extence: Das unerhörte Leben des Alex Woods oder Warum das Leben keinen Plan hat. Deutsch von Alexandra Ernst. Limes 2014. 480 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-8090-2633-4.

Zur Verlagsseite – Alex Woods bei Amazon

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Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte

Geschrieben von Wortakzente/Kinderohren - 31. März 2014

Vor Weihnachten kam ich auf der Suche nach Büchern für meine Lieben in eine Buchhandlung. Unübersehbar lag ein großer Stapel auffälliger gelber Bücher bereit: Die Analphabetin …

Ich: Oh, das neue Buch von Jonasson. Hm, mit dem Hundertjährigen war ich ja nicht richtig glücklich, das wurde mir am Ende einfach zu viel. Ich glaube, das muss ich nicht lesen.

Buchhändlerin: Ich habe es nicht gelesen, aber meine Kollegin. Sie ist sehr begeistert und meinte, es wäre viel besser als das erste.

Ich lasse mich ja gerne überzeugen, also wanderte es auf meine Weihnachts- oder Geburtstagswunschliste. Und nun habe ich es gelesen. Hätte ich doch mal auf mein Gefühl vertraut!

Zunächst weist das Buch zwei Handlungsstränge auf. Die schwarze Südafrikanerin Nombeko lebt in Soweto und ist weitgehend auf sich selbst angewiesen. Durch ihre Schlauheit und schnelle Auffassungsgabe macht sie in sehr bescheidenem Umfang Karriere, soweit es für eine minderjährige Schwarze während der Apartheit eben möglich war. Eines Tages beschließt sie, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Auf dem Weg zur Nationalbibliothek wird sie angefahren, die Schuld wird ihr zugesprochen, nicht dem betrunkenen Fahrer. Sie wird dazu verurteilt, sieben Jahre für den Unfallverursacher, einen Ingenieur, zu arbeiten. Leider stellt sich heraus, dass er am südafrikanischen Atomwaffenprogramm arbeitet und deshalb in einer streng bewachten Forschungsanlage lebt. An Flucht ist nicht zu denken. Der Ingenieur ist ein Säufer, der nur deshalb nicht auffliegt, weil „Putzfrau“ Nombeko die Berechnungen im Gegensatz zu ihm kapiert und ihm immer wieder aus der Patsche hilft.

In Schweden lebt ein junger Mann, der glühender Vereherer des Königs ist, bis er nach einer verunglückten Begegnung zum Antiroyalisten wird. Sein oberstes Ziel, dem er alles unterordnet, ist nun die Abschaffung der Monarchie. Auch die Erziehung seiner Zwillingssöhne, die er beide Holger nennt, beruht hauptsächlich aus deren Indoktrinierung. Vor allem hat er nach der Geburt nur einen Holger angemeldet, der zweite existiert offiziell gar nicht.

Schließlich gelangt Nombeko nach Schweden und trifft dort auf Holger 2. Im Gepäck hat sie ungewollt eine der südafrikanischen Atombomben. Jahrelang versuchen die beiden, die Bombe wieder loszuwerden und zu verhindern, dass Holger 1 und seine Freundin, „die junge Wilde“, sie nutzen, um den König umzubringen. Sie müssen viele Rückfälle erleben.

Von Anfang an mochte ich Nombeko gerne, während mit die „schwedischen Kapitel“ nicht recht gefielen. Die ersten skurrilen Einfälle und absurden Entwicklungen nahm ich noch hin, aber im Laufe der Zeit wurde es mit einfach zu viel. Die Grundidee der Geschichte von Nombeko fand ich gar nicht schlecht, daraus hätte etwas werden können, was mir gefällt. Aber meiner Meinung nach rutschte das Ganze in Klamauk ab. Immer wurde noch ein Zufall draufgesetzt und noch einer, als es für meinen Geschmack schon lange genug war. Ich musste mich zwingen, überhaupt zu Ende zu lesen.

Die Charaktere Nombeko und Holger 2 waren mit sympathisch, das konnte aber auch nichts retten. Was wäre gewesen, wenn Holger 2 spätestens nach dem Tod seines Vaters zum Einwohnermeldeamt gegangen wäre, seinen identisch aussehenden Zwillingsbruder im Schlepptau, um die verrückte Geschichte zu erklären und endlich eine Identität zu bekommen? Dass solch ein logischer Schritt nicht erfolgte, auf dem die ganze weitere Handlung aufbaute, war für mich nicht nachzuvollziehen. Und es gab noch einiges anders, was nicht wirklich glaubwürdig war.

Mein Fazit: absolut Geschmacksache. Und mein Geschmack war es nicht.

Cover_Jonasson_Analphabetin

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte. Aus dem Schwedisch von Wibke Kuhn. Carl’s Bookks 2013. 448 Seiten, Euro 19,99, ISBN 978-3-570-58512-2.

Zur Verlagsseite (dort gibt es ein Special mit Trailer, Leseprobe, Autoreninterview usw.) – die Analphabetin bei Amazon

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