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Lisa Graf-Riemann, Ottmar Neuburger: Rehragout

Posted by Wortakzente/Kinderohren - 12. Juli 2014

Im ersten Teil dieses Krimis, Hirschgulasch (Rezension hier) war es den drei Ukrainern Marjana, Luba und Wiktor gelungen, in einem Stollen des Berges Hoher Göll Nazigold zu entdecken und eine ordentliche Portion nach Hause zu schaffen. Im Prinzip müsste jeder von ihnen jetzt bis zu seinem Lebensende ausgesorgt haben, aber leider klappt das nicht. Majana möchte ganz oben bei den Reichen und Schönen mitmischen, Wiktor wird von Immobilienhaien über den Tisch gezogen und Luba hat eine Stiftung gegründet, die sich gegen Atomkraft engagiert. Das Geld schwindet viel zu rasch. Außerdem hatten sie ja die russische Mafia in Form von Jurij gegen sich aufgebracht, was vor allem Wiktor zu spüren bekommt. Es bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als wieder nach Berchtesgarten zurückzukehren, um noch mehr Gold aus dem Berg zu holen. Leider sind sie dieses Mal nicht allein, denn Jurij kommt selber mit, der sich ausgedacht hat, wie man das Geld waschen und in die Ukraine schaffen kann. Leider hat er auch noch Olga mitgenommen, die als Aufpasserin für die drei fungieren soll.

Dummerweise erinnert sich auch die Berchtesgardener Polizei noch bestens an die Ukrainer, deren letzter Aufenthalt zeitlich mit dem Auffinden zweier Leichen zusammenfiel, auch wenn man ihnen damals nichts beweisen konnte. Prompt laufen sie Hauptkommissarin Leni Morgenroth über den Weg, die sofort misstrauisch wird und sie im Auge behält. Besonders Wiktor, den sie sehr anziehend findet.

Der erste Teil des Buches spielt größtenteils in Kiew. Der Leser erfährt, wie die drei Ukrainer mit dem unverhofften Reichtum umgehen. Dabei werden ihre sehr unterschiedlichen Charaktere fein herausgearbeitet. Unterbrochen wird die Handlung von Berichten von einem Goldfund in Österreich, wo ein Wasserfall Goldstücke aus dem Berg hervorbringt. Schließlich treffen zwei Dinge zusammen: der von Jurij ausgelöste Druck und die zunehmende Geldnot von Marjana, Luba und Wiktor, sodass die drei wiederum nach Berchtesgarten reisen, begleitet von Jurij und Olga. Sie haben eine tolle Idee, wie sie ihre Bergwanderungen tarnen können. Doch Leni, der kantigen, mürrischen und doch manchmal sehr weiblichen Hauptkommissarin, kommt das von Anfang an merkwürdig vor. Sie heftet sich der Gruppe an die Fersen und bringt sich damit in ziemliche Gefahr. Werden die drei erfolgreich sein? Und kann es ihnen gelingen, Mafiaboss Jurij und Aufpasserin Olga abzuhängen?

Wie schon der Vorgängerband ist Rehragout nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch eine turbulente Kommöde. Immer wieder überschlagen sich die Ereignisse auf unerwartete Weise. Besonderen Spaß machten mir aber die Dialoge und Beschreibungen, die mich immer wieder zum Lachen brachten. Mal eine Gänsehautszene, mal etwas zum Lachen, das ist für mich eine tolle Mischung für einen Krimi. Gerade der Sprachwitz ist es, der mir großen Spaß gemacht hat, aber auch das Lokalkolorit, das zeigt, dass das Autorenduo die Gegend, über die sie schreibt, wirklich gut kennt.

Wer Spaß am ersten Band hatte, wird auch diesen mögen, das kann ich versprechen. Wer Hirschgulasch allerdings noch nicht kennt, sollte damit anfangen. Auch wenn Rückblicke auf das erste Buch dafür sorgen, dass die Zusammenhänge klar werden,  wäre die Lektüre bestimmt nur halb so schön. Ich könnte mir vorstellen, dass der Krimi besonderen Spaß macht, wenn man gerade Urlaub in der der Region Berchtesgarden macht. Aber auch ohne die Gegend näher zu kennen (wie es bei mir der Fall ist) liest er sich prima.

Cover_Graf_Neuburger_Rehragout

Lisa Graf-Rieman, Ottmar Neuburger: Rehragout. emons 2014. 336 Seiten, Euro 10,90, ISBN 978-3-95451-261-4.

Rehragout beim Verlag und bei Amazon.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Frau Lektorins Lieblingsjobs

Posted by Wortakzente/Kinderohren - 8. Juli 2014

Wenn mich jemand fragt, ob ich meinen Beruf als Freie Lektorin liebe, antworte ich voller Überzeugung mit Ja. Mehr als fünf Jahre ist es nun her, dass ich mich selbstständig gemacht habe, und ich habe es nie bereut. Neben das Lektorat und Korrektorat ist inzwischen auch das Texten getreten, sodass mein Arbeitstag meist recht abwechslungsreich ist. Natürlich hätte ich jederzeit sagen können, was ich an meiner Arbeit besonders mag und was weniger. Doch erst die Blogparade Lieblingsjobs von Annette Lindstädt hat mich darauf gebracht, genauer darüber nachzudenken, was ich an meinem Beruf so liebe.

Natürlich gibt es auch bei mir Arbeiten, die ich weniger mag als andere. Einnahmen und Ausgaben buchen und dabei immer wieder verzweifelt überlegen, wo ich was eigentlich hinbuchen muss, ist definitiv meine unbeliebteste Beschäftigung. Auch der Ablage kann ich nicht viel abgewinnen, obwohl solch stupide Tätigkeiten manchmal ganz gut sind, um die Gedanken um ein Projekt kreisen zu lassen. Absurderweise schreibe ich auch nicht gerne Rechnungen, obwohl ich später sehr gerne den Geldeingang vermerke. Aber die notwendige Verwaltung hat wenig mit meiner Arbeit an sich zu tun, sie hätte ich bei einem anderen selbstständigen Beruf ebenfalls zu erledigen.

Aber auch im Kernbereich meiner Arbeit gibt es natürlich Dinge, die ich lieber tue als andere. Während ich das Stil-Lektorat von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten, vor allem aus den Bereichen Wirtschaft oder Recht, eher langweilig finde und es mich bei manchen Satzkonstruktionen graust, schreibe ich ziemlich gerne Webtexte und mache sehr gerne Übersetzungslektorat für Texte aus dem Englischen oder Niederländischen. Letzteres, weil es so vielfältig ist und ich dabei sehr viel recherchieren muss; das mache ich gerne und habe schon viel dabei gelernt. So handelte ein Text vom Dachdecken und ich musste herausfinden, welche deutschen Dachformen den im niederländischen Original genannten entsprachen, eine ganze Reihe anderer Texte befasste sich mit der Behandlung von Würmern bei Pferden und bei wieder anderen geht es um technische Geräte, Logistik, Werbung, Baumarktartikel, Bewerbungsschreiben, Sport, Urlaub oder, neulich, Erdungsmatten.

Mein_Arbeitsplatz
Der Ort des Geschehens: mein Arbeitsplatz

Meine absolute Lieblingsarbeit ist aber das Romanlektorat. Ich arbeite nicht für Verlage, sondern direkt mit den Autoren zusammen, was ich sehr schätze, u. a. weil Rückfragen schnell und problemlos geklärt werden können. Üblich ist es ja eigentlich, dass der Lektor den fertigen Roman bekommt und ihn dann auch in seiner Gesamtheit beurteilen kann. Bei meinem aktuellen Projekt ist das aber anders. Ich plaudere mal ein wenig aus dem Nähkästchen:

Ursprünglich wurde nur ein Stil-Lektorat vereinbart. Der Roman war noch nicht fertig, sondern ich bekam pünktlich jeden Sonntagabend 20 neue Seiten zugesandt, die ich fleißig lektorierte. Im Laufe der Zeit ergab es sich, dass ich auch über das Stil-Lektorat hinaus arbeitete, beispielsweise Hinweise auf Logikfehler gab (X hat inzwischen so oft von dem Schnaps getrunken, dass die Flasche längst leer sein müsste) oder auch anmerkte, wenn mir eine Szene zu weitschweifig schien oder ich sie ganz und gar für entbehrlich hielt. Es handelt sich um einen Fantasyroman, von dem ich manchmal so gefesselt wurde, dass ich einen zusätzlichen Lesedurchgang einlegen musste, weil ich über dem Lesen meine Arbeit vergessen hatte! Das ist zwar für die sinnvolle Nutzung meiner Arbeitszeit eher ungünstig, aber ich mag es trotzdem, wenn es ein Autor schafft, mich derart zu begeistern. Das wird dann bei seinen zukünftigen Lesern hoffentlich ebenso sein. Ohnehin lese ich jeden Text immer mindestens zweimal, einmal achte ich mehr auf den Stil, der zweite Durchgang ist für das Korrektorat bestimmt.

Manchmal werden meine Änderungsvorschläge angenommen, manchmal aber auch nicht. So erklärt der Autor mir häufig, dass eine mir im Moment unbedeutend erscheinende Szene viel später in der Handlung von Bedeutung sein wird und deshalb nicht gestrichen werden kann. Aber auch, wenn ich eine Argumentation vielleicht einmal nicht so gut nachvollziehen kann oder der Autor eine stilistische Änderung ablehnt, damit muss ich leben. Ein Lektor muss sich immer bewusst sein, dass es das Werk des Autors bleibt und man selber nur die Hebamme ist, die hilft, es gesund auf die Welt zu bringen.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass aus dem Roman eine ganze Serie wird. Ursprünglich war eine Veröffentlichung nicht beabsichtigt, doch hat sich der Autor zum Glück umentschieden. So bekomme ich die Texte nun ein weiteres Mal, jetzt in größeren Pakten von mehreren hundert Seiten. Ich lese sie noch einmal und bereite sie für die Veröffentlichung als E-Book bei Amazon und als Printbuch bei Createspace vor. Davon hatte ich anfangs keine Ahnung, zusammen mit dem Autor habe ich mich eingearbeitet, was eine schöne Herausforderung war. Ich schreibe die Klappentexte und die Zusammenfassungen der Vorgängerbände, übernehme die Formatierungen, füge für das Printbuch die Silbentrennung ein usw.

Auch vorher habe ich schon mit Selfpublishern zusammengearbeitet, aber dieser Auftrag beschäftigt mich inzwischen seit mehr als anderthalb Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Fantasie des Autors scheint unendlich, die ganze Welt ist detailliert ausgearbeitet, er hat auch schon im Kopf, wie es nach Abschluss dieser Serie weitergehen wird und einen Band in der Schublade, der zu einer früheren Zeit spielt. Sehr gerne würde ich zugunsten weiterer solcher Aufträge zukünftig auf wissenschaftliche Abschlussarbeiten verzichten. Das ist ein Lieblingsjob, weil hier nicht nur meine Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse gefragt sind, sondern meine ganze Kreativität und all meine Kenntnisse rund ums Buch.

Und wer jetzt neugierig geworden ist, findet die ersten drei Bände der Chroniken von Vanafelgar von Robert Jesse hier. Die Bände vier bis sechs werden noch in diesem Jahr erscheinen.

Vielleicht mögt ihr auch bei Annettes Blogparade mitmachen, ich würde sehr gerne mehr über eure Berufe erfahren – egal was ihr macht.

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