Sabine Eichhorst: German Glück. Reise durch ein unerwartet glückliches Land

Glückliche Deutsche? Gibt es das?

Wir Deutschen sind, so heißt es, unglaublich pessimistische Menschen. In Glücksstudien landet das Land regelmäßig auf den hinteren Plätzen. Ein Land der Meckerer und Nörgler. Und obwohl das natürlich einerseits stimmt, jeder von uns dürfte da schon so seine Erfahrungen gemacht haben, fand ich es doch immer irgendwie unfair. Schließlich bin ich nicht nur selbst ein optimistischer Mensch, sondern kenne auch viele andere mit einer ähnlichen Einstellung. Zum Glück gibt es in Deutschland mehr glückliche Menschen, als man vielleicht denkt. Sabine Eichhorst hat sie aufgespürt und porträtiert. Sie ist durch Deutschland gereist, hat die sehr unterschiedlichen Menschen besucht, ihnen zugehört, Fragen gestellt und dabei erfahren: Perfekte Leben gibt es nicht. Selbst die Glücklichsten haben niederschmetternde Erfahrungen gemacht, geliebte Menschen verloren, wurden mit Krankheit oder Verlust konfrontiert. Aber, und das ist es, was dieses Buch ausmacht, sie haben sich nicht davon umwerfen lassen. Sie haben die Ärmel hochgekrempelt und weitergemacht. Sie haben gelernt, auch die kleinen Dinge zu sehen, die ein Leben schön machen. Oder hatten diese Haltung gar schon immer.

Glück – Was ist das überhaupt?

Die Autorin beginnt ihr Buch mit einem kleinen Exkurs über das Glück. Sie hat andere Menschen gefragt, was sie glücklich macht. Über eine Seite lang zählt sie kleine und große Dinge auf: der Duft von Basilikum, Walzer tanzen, Sand unter den Füßen, eine Umarmung, Musik oder die Geburt eines Kindes … Einiges davon mag individuell sein, doch ich glaube, dass vieles davon tatsächlich viele Menschen berührt. Ich hatte beim Lesen jedenfalls viele Aha-Erlebnisse der Art: „Stimmt, daran hätte ich jetzt überhaupt nicht gedacht, aber das ist tatsächlich ein wunderschöner Moment!“ So wird man bestens auf die kommende Lektüre, die neunzehn Porträts, eingestimmt.

German Angst trifft deutsches Glück

Dann geht sie auf die berühmte German Angst ein, setzt sie in Bezug zu den wirtschaftlichen Daten, der Lebenserwartung, der Tatsache, dass wir in Frieden leben und etlichen weiteren Faktoren, die zeigen, dass es uns in unserem Land doch eigentlich gut geht. Und doch sind wir Deutschen nur mäßig glücklich. Warum? Was haben die Menschen gemacht, die glücklich sind? Wie haben sie ihr Glück gefunden? Dieser Frage geht Eichhorst in ihren Porträts nach.

Glück ist flüchtig.
Glück ist Arbeit.
Und oft ist Glück eine Frage der Haltung.

Ein Buch, das Leser glücklich macht

Zu lesen, wie diese neunzehn Menschen ihr Leben sehen, was es ist, das sie glücklich sein lässt, wie sie Herausforderungen begegnen, das hat wiederum mich glücklich gemacht!

Die Porträtierten haben sehr Unterschiedliches erlebt: Pleite gemacht, ihren Traumberuf gefunden, eine unheilbare Krankheit bekommen, nach einer gescheiterten Beziehung eine neue Partnerin gefunden. Sie mussten nach einer Flucht neu anfangen, nach der Wende ihr Leben neu sortieren oder haben sich nach vielen Jahren der Berufstätigkeit noch einmal ganz neu orientiert. Sie finden ihr Glück im Helfen oder im Alleinsein oder haben gar Glück als Schulfach eingeführt. Einer verkörpert auf den ersten Blick das klassische Bild von Glück, denn er ist reich und berühmt geworden. Und was bedeutet Glück für ein Kind?

Berührende Porträts besonderer Menschen

Zwei Dinge haben mich an diesem Buch besonders beeindruckt.
Zum einen der scharfe, intensive Blick der Autorin auf die porträtierten Personen und wie sie es versteht, das, was sie sieht und hört, in Worte zu fassen. Das ist hohe Kunst! Ich konnte die Porträtierten förmlich vor mir sehen, fühlte mich, als säße ich daneben und würde zuhören. Ich habe nach der Lektüre das Gefühl, ich hätte neunzehn wundervolle, interessante Menschen kennengelernt.

Zum zweiten sind es die Porträtierten selbst. Welch einen Optimismus sie allesamt ausstrahlen! Egal was ihnen widerfahren ist, egal welche Tiefen sie überstehen mussten, sie haben sich selbst dabei nicht verloren. Andere haben wirklich viel von dem gehabt, was man gemeinhin Glück nennt. Aber auch das muss man annehmen können, auch aus dem unverhofft Gegebenen muss man etwas machen können. Manche der Lebensgeschichten haben mich sehr berührt, manche zum Schmunzeln gebracht, andere eher staunen lassen, weil meine Vorstellung von Glück anders ist.

Interessant ist auch die Einordnung des Berichteten. Was haben Philosophen über das Glück im Allgemeinen und über vergleichbare Situationen im Besonderen gesagt? Was haben Studien herausgefunden, die sich mit dem Thema befassen? Diese informativen Passagen erden das Geschilderte in meinen Augen, sie sorgen dafür, dass man beim Lesen nicht des ganzen Glücks überdrüssig wird oder das Gefühl hat, hier wurde die Bodenhaftung verloren.

Es ist nicht das Geld, was glücklich macht, nicht die materiellen Werte. Sie helfen sicherlich in mancher Situation. Bei der Lektüre wird man jedoch daran erinnert, was wirklich wichtig ist. Das Glück fällt nicht vom Himmel, man muss schon aktiv werden und das Beste aus der jeweiligen Situation machen. Dass das nicht immer einfach ist, sieht man hier auf fast jeder Seite. Dass es trotzdem geht, auch.

Übrigens finde ich, dass dieses Buch wunderbar als Geschenk geeignet ist. Wann kann man schon mal Glück verschenken? Und Glück kann jede(r) brauchen!

Fazit: Neunzehn wundervolle Porträts über sehr unterschiedliche Menschen, die aber eines gemein haben: Sie haben das Glück gefunden. Menschen, die viel erlebt haben, Höhen und Tiefen durchlaufen, und die trotz allem glücklich sind. Diese neunzehn Porträts machen auch den Leser glücklich!

Sabine Eichhorst: German Glück. Reise durch ein unerwartet glückliches Land. Ludwig 2017. 256 Seiten, Euro 16,99, ISBN 978-3-453-28089-2.

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