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Mit ‘Schuld’ getaggte Artikel

Gina Mayer: Das Maikäfermädchen

Geschrieben von Wortakzente/Kinderohren - 13. Januar 2013

In Düsseldorf mangelt es nach dem Krieg an Wohnraum und Lebensmitteln. Deswegen lässt sich die Hebamme Käthe, die im Dachgeschoss eines baufälligen Hauses untergekommen ist, auch nur in Naturalien bezahlen. Trotzdem hat sie ständig Hunger. Eines Tages wird sie von einer verzweifelten jungen Frau, fast noch ein Kind, aufgesucht, die sie bittet, eine Abtreibung bei ihr vorzunehmen. Sie beantwortet Käthes Fragen nicht, sondern singt immerzu das Lied „Maikäfer flieg“ vor sich hin. Ein Abtreibung? Das widerspricht allen moralischen Grundsätzen Käthes, aber die junge Frau bietet ihr einen Pelzmantel als Bezahlung an. Was sie dafür auf dem Schwarzmarkt bekommen könnte …

Einige Zeit später trifft Käthe eine ehemalige Kollegin, die Kinderkrankenschwester Lilo, die als Trümmerfrau arbeitet, um ihre Familie zu ernähren. Lilos Mann, beider früherer Chef, kann nicht mehr als Arzt praktizieren, da seine Hände zittern. Lilo hat die Idee für eine Unternehmung, die ihrer aller Lebensunterhalt sichern soll: eine Abtreibungspraxis. Das ist natürlich illegal und gefährlich. Trotz eines permanenten schlechten Gewissens lässt sie Käthe auf die Sache ein.

Sehr gut arbeitet der Roman die Psyche der beiden Protagonistinnen heraus: Käthe, die jeden Tag einen Spruch in der Bibel als Motto des Tages liest, auf ihren vermissten Mann wartet und ständig mit dem Widerstreit zwischen Moralvorstellungen und dem Wunsch nach einem besseren Leben kämpft und die lebenslustige Lilo, die wenig Skrupel kennt, wenn es darum geht, ihre Familie durchzubringen und sich endlich wieder sattzuessen. Die Härten der Nachkriegszeit lassen sich gut nachvollziehen, das Verständnis für die Frauen, sie sich aus den verschiedensten Gründen außerstande fühlen, ein Kind großzuziehen, ist groß. Obwohl ich sagen muss, dass mir das Thema an sich Probleme bereitet hat, weil ich so genau nun wirklich nicht hatte wissen wollen, wie eine Abtreibung abläuft, war ich doch von Anfang an von der Geschichte gefesselt. Sie zeigt, wie weit die Menschen zu gehen bereit sind, wenn sie verzweifelt sind.

Während die meisten Romane mit dem Ende des 2. Weltkrieges beendet sind, wird hier genau die schwierige Zeit vor der Währungsreform beschrieben, als die Deutschen neben dem täglichen Kampf ums Überleben auch mit ihrer Schuld, mit ihrem Anteil an den Untaten der Nazis fertigwerden mussten. Dies geschieht sehr eingänglich. Im Rückblick erfährt der Leser auch, was die Protagonisten und ihre Bekannten während des Nazi-Regimes erlebt haben, sodass die Figuren rund werden und ihr Verhalten verständlich wird.

Einige überraschenden Wendungen sorgten dafür, dass der Roman niemals langweilig wurde. Eine spannende Lektüre, die mich sehr nachdenklich zurückließ.

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Gina Mayer: Das Maikäfermädchen, rütten & loening 2012. 368 Seiten, Euro 16,99, ISBN 978-3-352-00843-6 bei amazon

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Martina Sevecke-Pohlen: Sandras Schatten

Geschrieben von Wortakzente/Kinderohren - 24. April 2012

Christas neue Vermieterin Sandra Mersenhagen ist zwar einerseits ganz nett, andererseits aber etwas merkwürdig. Selbst bei der größten Sommerhitze achtet sie darauf, dass ihre Mieterin die Fenster im ersten Stock nachts geschlossen hält. Als Grund nennt sie einen Einbruchversuch. Doch dann bemerkt Christa, dass ein Mann sich im Garten des abgelegenen Hauses herumschleicht und stößt auf sein ekelhaftes Mitbringsel. Sie findet heraus, dass Sandra seit ihrer Jugend sehr zurückgezogen lebt. Offensichtlich hat sie Angst – vor etwas, vor jemandem ?–, will aber nicht darüber reden, nachdem all ihre Hilferufe ungehört verhallten. Die Polizei hält sie für eine Spinnerin.

Zufällig begegnet Christa der ehemaligen Nachbarstochter wieder, deren Familie vor Jahren bei einem Brand ums Leben kam, was ihr bis heute Schuldgefühle verursacht. Bea leitet das Tagungsheim einer Sekte. Ihr kann Christa sich anvertrauen. Als Sandra bei einem Unfall verletzt wird, glaubt Christa nicht an einen Zufall und nimmt Nachforschungen auf …

Der Krimi beginnt mit einem Rückblick. Erst viel später wird der Leser in der Lage sein, die Anfangsszene richtig einzuordnen, obwohl schnell klar wird, dass diese Geschehenisse der Auslöser für die folgenden Dramen sind. So wird von Anfang an eine leicht beklemmende Atmosphäre erzeugt, die mich immer wieder zum Weiterlesen veranlasst hat. Obwohl Christa auf den ersten Blick ein ziemlich langweiliger Mensch ist, sind ihr Forschungsdrang und ihr Antrieb überzeugend dargestellt. Auch die anderen Protagonisten, Kollegen, Familienmitglieder oder die geheimnisumwobene Sandra, wirken realistisch. Warum die Sekte ausgerechnet den mir albern erscheinenden Namen „Muh“ tragen muss, hat sich mir nicht erschlossen, aber vielleicht ergibt sich das aus Band 1, den ich nicht kenne (und dessen Kenntnis zum Verständnis auch nicht erforderlich ist, ich wäre höchstens neugierig gewesen). Allerdings spielen Christas Erinnerungen an die Ereignisse, die offensichtlich im ersten Band geschildert wurden, eine ziemlich große Rolle. Das Beschäftigung mit dem Thema Schuld, das durch die Begegnung mit Bea wieder in den Vordergrund rückt, verbindet sie mit ihrer Vermieterin. Das fand ich interessant aufgearbeitet, wenn auch an der ein oder anderen Stelle etwas langatmig.

„Sandras Schatten“ ist keiner dieser Krimis, bei denen das Blut in Strömen fließt. Das Grauen ist subtiler, man fürchtet sich mit und um Sandra, fängt irgendwann an, überall einen Stalker zu sehen. Auch Christa hätte ich an der einen oder anderen Stelle am liebsten geschüttelt, um sie von ihren Vorhaben abzubringen. Was ich grundsätzlich wichtig bei Krimis finde: Ich hatte nicht schon auf Seite 20 oder 50 eine Idee, wer der Täter sein könnte. Es gab genug Windungen, um mich bis fast zum (etwas abrupten) Schluss im Unklaren zu lassen. Alles in allem gute Unterhaltung zum günstigen Preis.

Martina Sevecke-Pohlen: Sandras Schatten, Wieken-Verlag 2012, 200 Seiten, Euro 2,98 €, Kindle 978-3-943621-00-6, PDF 978-3-943621-01-3, EPUB 978-3-943621-02-0) .

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