Wortakzente

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Bücher: eine Liebeserklärung

Geschrieben von Wortakzente/Kinderohren - 13. Februar 2012

Schon wieder eine Blogparade: Mike Schnoor fragt, ob wir noch Gedrucktes lesen. Diese Frage ließe sich recht kurz beantworten: na klar! Ich kann aber auch etwas weiter ausholen …

Schon lange, bevor ich in die Schule kam, faszinierten mich Bücher und Zeitschriften. Ich fragte meinen Eltern Löcher in den Bauch und kommentierte bei Ausflügen in die Stadt begeistert jeden Buchstaben, den ich in an Läden oder auf Reklametafeln erkannte. Irgendwann war es so weit: Ich las die Schlagzeile der Zeitung. Damit fing alles an. Ich las, was ich in die Finger bekam. Da ich die Erste war, die mittags nach Hause kam, hatte ich ungebremsten Zugriff auf alle Post. Ich las die ADAC-Zeitschrift, das Heft des Alpenvereins, die mir verbotenen Polizei-Fachzeitschriften meines Vaters und die von meinem Bruder abonnierte P.M. Mehr als einmal bekam ich Ärger, weil ich ihn erst vom Eintreffen der neuesten Ausgabe informierte, wenn ich sie ausgelesen hatte. Und natürlich las ich Bücher. In unserer nur einmal wöchtenlich geöffneten Bibliothek bekam ich eine Sondergenehmigung und durfte mehr als fünf Bücher auf einmal ausleihen. leider hatte ich die Regale für Kinder schnell durch. Später wechselte ich in die Bibliothek der nahen Stadt. Dort zogen mich die dicken Wälzer magisch an – die hielten wenigstens eine Weile.

Heute kann ich mir ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Ich lese viele Blogs und die aktuellen Nachrichten der Online-Zeitungen und -Zeitschriften. Doch wie fängt unser Morgen an? Die Familie sitzt am Frühstückstisch und liest Zeitung. Der eine Sohn interessiert sich für den Sportteil, der andere sucht nach dem Hägar-Comic, mein Mann und ich blättern komplett durch. Den überregionale Teil überfliege ich nur, was darin steht, habe ich üblicherweise längst auf anderen Kanälen mitbekommen. Dem Regionalteil widme ich deutlich mehr Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu vielen Nachbarn und Bekannten werden wir die Tageszeitung nicht so schnell abbestellen. Ich finde es wichtig, dass unsere Söhne diese Nachrichtenquelle kennen- und schätzenlernen. Auch aus diesem Grund bekommen wir den Spiegel noch in gedruckter Form ins Haus.

E-Book-Reader? Habe ich auch seit einem guten Jahr. Genutzt wurde er vergangenes Jahr im Sommerurlaub. Ich hatte extra für alle Familienmitglieder Bücher gekauft, zum Ausprobieren. Ja, das geht. Sehr praktisch, um nicht so viel Gepäck mit sich herumzuschleppen. Auch dass man die Größe verändern kann, fand ich sehr angenehm. Vielleicht werde ich darauf zurückgreifen, sollten eines Tages die Augen nicht mehr so recht mitmachen. Aber sonst? Ich liebe es, Kataloge von Jokers, Weltbild und anderen Buchversendern aus dem Briefkasten zu ziehen. Ich studiere sie eifrig, knicke viele Ecken um, verkneife mir die Bestellung aber oft. Trotzdem bin ich bei unseren Postbotinnen berühmt berüchtigt wegen der schweren Päckchen, die sie immer anschleppen müssen. Andere Frauen kaufen Schuhe, bei mir sind es eben Bücher …

(Bild: Irgendwo passt immer noch ein Regal hin. Zum Beispiel in den Flur …)

Ich gebe zu, ich bin altmodisch. Ich will meine Bücher im Regal stehen sehen. Ich denke auch gar nicht daran, sie nach dem Lesen wieder zu verkaufen. Vielleicht will ich sie in zwanzig Jahren noch einmal lesen? Nur Rezensionsexemplare von Büchern, für die meine Söhne schon zu alt sind, verschenke ich inzwischen an Kindergarten und Schule (die Kinder dort brauchen ja auch Nachschub, um auf den Geschmack zu kommen).

Erwähnte ich schon, dass ich Anglistik und Romanistik studiert habe? Unter anderem Schwerpunkt Literaturwissenschaft? Dass ich zwei Buchblogs habe, wissen meine Leser ohnehin. Ich glaube nicht, das Gedrucktes aussterben wird, es wird vielleicht sorgfältiger ausgewählt werden, was den Weg in die Druckerei findet. Bei mir werden  gedruckte Bücher immer einen Platz finden – im Regal und im Herzen!

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Buch 2011: Zwischen Stapeln und Ladegerät

Geschrieben von Wortakzente/Kinderohren - 16. Dezember 2011

Vor einigen Wochen berichtete ich über die Blogwichtelaktion des Texttreffs. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk für Frauen in Schreibberufen. Viele davon haben ein Blog. So entstand die Idee, einmal für fremde Blogs zu schreiben. Wer wen bewichteln sollte wurde ausgelost. Ich selber habe bereits Gastbeiträge für zwei Blogs von Textwerkkolleginnen geschrieben, im Kinderohren-Blog erschien kürzlich ebenfalls ein Gastbeitrag. Heute freuen sich die wortakzente über Besuch: Tanja Finke-Schürmann ist Kommunikationsexpertin. Sie schreibt Texte für Web und Print, bietet Kommunikationsberatung und Marktforschung an. Normalerweise schreibt sie in ihrem Blog Fragologie über die Kunst des professioniellen Fragestellens, heute macht sie sich hier Gedanken über die Zukunft des Buches. Vielen Dank!

Von Gastautorin Tanja Finke-Schürmann:

Jetzt ist es gerade Punkt „kurz vor Weihnachten“ – und ich darf einen Beitrag für ein Blog schreiben, das ein Herz für Bücher hat. Das passt wunderbar, finde ich. Denn Weihnachten und Bücher gehören in jedem Fall zusammen.

Schon auf meinen Wunschlisten, die ich als Kind an den Weihnachtsmann schrieb, standen immer jede Menge Bücher. Weil man manche Schmöker eben selber besitzen will, auch wenn man die ganze Leihbücherei schon leergelesen hat. Zum Bücher-geschenkt-bekommen kam dann auch noch das Bücher-kaufen hinzu. Heute lebe ich deshalb in einem Haus, in dem die Bücherborde bis zur Decke gehen und kein Platz für weitere Regale ist. Außerdem liegen an strategisch günstigen Orten weitere Bücherstapel, über deren Entstehung, Zusammensetzung und Nutzen ich schon oft nachgedacht habe, aber das würde jetzt hier zu weit führen. Denn ich möchte doch darüber schreiben, wie man in Zeiten von E-Books und E-Book-Readern Bücher wünscht und Bücher schenkt. Und ob das noch genau so viel Spaß macht wie die Sache mit der kuscheligen Buchhandlung und den glänzenden Umschlaghüllen.

Na gut – ich habe keine Zeichenbegrenzung bekommen. Also kann ich wenigstens den Zustand meiner Bücherstapel näher beschreiben und ein paar Fragen aufwerfen: Diese zum Teil gefährlich hochgetürmten Haufen befinden sich auf Ablagen in WC und Bad, neben allen Betten, auf einem Stuhl im Esszimmer und einer Truhe im Wohnzimmer. Die Mischung ist wild.

Manchmal stelle ich mir vor, wie Leute durch unser Haus gehen und sich anhand dieser Stapel ein Bild von meinem Kopf und meinem Leben machen. Hat sie den dicken Dostojewski gelesen und warum ist er nicht im Regal mit den anderen Romanen? Hat sie hohen Blutdruck? Warum braucht sie Hilfe bei Erziehungsfragen? Hat sie ein Eheproblem oder eine gute Freundin? Ist „How to write Erotica“ ein Indiz für eine Neuausrichtung ihres Textberufes oder ist es zufällig hier gelandet? Sind Max Goldt und Martenstein ihre Vorbilder? Wer liest Walter Moers und wer in diesem Haus will aufhören zu rauchen? Liegt Max Frisch dort seit der Schulzeit oder liest sie das Zeug echt auch Jahre später noch? Anscheinend kocht sie gern, liebt Katzen und ist nicht gläubig. Aha!

Die Stapel verändern sich. Allerdings sehr langsam und kaum merklich. Es kommen neue Bücher hinzu, andere wechseln plötzlich den Raum, werden weggeräumt, zurückgegeben oder verschenkt. Aber manche behalten ihren Platz auch über einige Jahre. Weil sie noch gelesen werden wollen oder weil ich sie noch anschauen möchte oder auch einfach, weil in den Regalen ja eigentlich kein Platz mehr ist.

Seit meinem Geburtstag im Juni liegt zwischendrin ein E-Book-Reader. Er wandert häufiger, wechselt den Platz und er braucht ein Ladegerät. Ich bin sehr stolz, dass ich die ersten Bücher tatsächlich inzwischen elektronisch gekauft habe. Denn damit kann ich langfristig meine Wohnsituation entschärfen. Auf diese Weise habe ich erst mal Krimis und aktuelle Mitrede-Literatur erstanden, für die ich keins meiner bisherigen Bücherschätze entsorgen würde.

Ich weiß jetzt aber immer noch nicht, ob sich die Sache mit den Stapeln bei uns zu Hause irgendwann ändern wird. Außerdem habe ich keine Ahnung, wie ich jetzt zu Weihnachten Bücher verschenken soll. Wie finde ich heraus, ob der Beschenkte lieber Dateien oder Papier möchte? Kann man Gutscheine schenken und muss man nicht wissen, welchen Reader der Leser besitzt? Ganz schön kompliziert. Aber leider habe ich auch jetzt wirklich keinen Platz mehr hier, das näher auszuführen – und auch keine Zeit, das genauer zu recherchieren. Weil es ja kurz vor Weihnachten ist.

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